June 18, 2011 Flattr this

Journalist umgeht die Realität


Unter "Deutsche Webdesigner umgehen den App Store" versucht Merlin Scholz mit äußerst fragwürdigen Mitteln und wenig Sachverstand aus nichts eine Sensation zu erschaffen.

Welt screenshot

Sein Artikel versucht die Leser glauben zu machen, dass zwei deutsche Webdesigner erstmals eine neue Technologie dazu benutzt haben, Apple's App Store zu umgehen um ihre Inhalte direkt an den Leser zu bekommen und damit Apple Sorgen machen würden.

Mit Verlaub, Herr Scholz, aber das ist Bullshit!

Kurzer Faktencheck

1. "…machen Apple Sorgen"

Gleich im Aufmacher wird behauptet, die Studenten machen Apple damit sorgen. Wodurch untermauert dieser Qualitätsjournalist diese Aussage? Damit:

Und natürlich fragt man sich, was der Pressesprecher von Apple gegen Kitesurfen und Sushi hat, dass er „Welt Online“ sagt: „Das kommentieren wir nicht.“

Was genau Herr Scholz den Pressesprecher hierzu gefragt hat, bleibt hier außen vor. Warum auch sollte Apple irgendein HTML-Magazin kommentieren? Ich behaupte mal, da fehlt Georg Albrecht (Pressesprecher Apple Deutschland) einfach die Zeit. Herr Scholz hätte also ebenso gut auch unseren Regierungssprecher fragen können, welcher ebenfalls nicht kommentiert hätte. Das hätte dann immerhin eine umso reißerische Headline hervorgebracht: "Deutsche Webdesigner machen Kanzlerin Sorgen".

2. "…umgehen App Store mit HTML5"

Die weitere Basis des Artikels ist dann die steile Theorie, dass HTML5 ein neuer Weg ist, Applikationen zu vertreiben und dabei Apple's App Store zu umgehen. Das ist faktisch einfach nicht korrekt und entspricht in etwa der Aussage "Deutsche Bauern umgehen den Sport-Einzelhandel mit Vertrieb auf Wochenmärkten".

Der App Store ist eine Plattform um native iOS Applikationen zu vertreiben. Die Plattform übernimmt hier für die Entwickler den kompletten Vertrieb, die Abrechnung und Auszahlung der Einnahmen und berechnet für die Leistungen dann eine Provision.

Das im Artikel angesprochene Magazin ist keine native Applikation, sondern mehr oder weniger nur eine Webseite, die in der Auszeichnungssprache HTML (in der Version 5) geschrieben ist. Es umgeht daher den App Store nicht. Es brauch ihn einfach nicht.

HTML war auf iOS Geräten schon immer frei und ohne jegliche Kontrolle seitens Apple zugänglich. HTML und JavaScript waren sogar ursprünglich der einzige Weg "Programme" für das iPhone zu schreiben. Lange bevor es überhaupt einen nativen SDK oder gar App Store gab. Das ist also alles nicht neu. Ich habe auch starke Zweifel, dass "Aside" die erste Web-App ist, die mit HTML5 in Deutschland entwickelt wurde (ich habe bereits seit Monaten eine eigene Lotto Web App in der Schublade).

Tatsache ist, dass man mit HTML5 und JavaScript heute Anwendungen erstellen kann, die nativen Programmen sehr nahe kommen können. Aside nutzt diese Möglichkeiten allerdings bei Weitem nicht aus, ist auf meinem iPad äußerst langsam und beschränkt sich darauf ein Icon auf dem Homescreen zu installieren. Den Unterschied zu manchen nativen Apps kann man deutlich sehen, wenn man mal das Netzwerk des iPad abschaltet, dann sieht das Aside Magazin nämlich so aus:

offline

Ein Magazin also, das nur gelesen werden kann, wenn man online ist (also z.B. nicht im Flugzeug), was im Übrigen keine Limitierung von HTML5 ist, welches offline Daten unterstützen würde.

Fazit:
Dass Aside Apple Sorgen macht, halte ich schlicht für erfunden und was uns der Artikel als "neu" verkaufen will ist ein alter Hut. Web Apps wurden von Apple seit es das iPhone gibt aktiv unterstützt.

Posted in: , by seiz | Comments (0)

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